Der Lehrer kann mich nicht leiden! – Was tun gegen ungerechte Noten?
„Der Lehrer kann mich nicht leiden!“ Das ist wohl einer der häufigsten Sätze, den man als Rechtfertigung hört, wenn die Noten nicht so sind, wie sie sein sollten. Aber kann das denn sein: schlechte Noten, weil der Lehrer den Schüler nicht leiden kann und deshalb ungerechte Noten vergibt? Ganz klar: Ja, es kann!
Manche Menschen mag man halt lieber als andere. Das ist ganz natürlich und auch nicht immer rational erklärbar. Zu- und Abneigungen fließen immer in die Bewertung anderer mit ein. Menschen, die man mag, beurteilt man besser als solche, die man weniger gut leiden kann. Natürlich sollte ein Lehrer objektiv urteilen und seine persönlichen Sympathien und Antipathien bei der Benotung seiner Schüler außen vor lassen. Bei der Beurteilung eindeutiger Fakten ist das noch möglich – und auch für den Schüler nachvollziehbar. Aber nicht immer kann ein Lehrer eindeutig sagen: „Das ist richtig“ oder „das ist falsch“. Manches ist auch Auslegungssache. Und dabei ist nicht jeder Lehrer gleich gut darin, bei der Beurteilung seine Emotionen aus dem Spiel zu lassen und dann verteilt er bestimmt auch mal ungerechte Noten.
Und seien Sie mal ganz ehrlich: Können Sie mit Sicherheit behaupten, dass Sie Menschen, die Sie weniger mögen, immer fair behandeln oder beurteilen? Das ist normal, wenn auch nicht gerecht. In der Schule kommt allerdings hinzu, dass Lehrer mit den Noten, die sie vergeben, die Lebenswege der Schüler mitbestimmen. Deshalb sollte man auch ungerechte Noten nicht unbedingt auf sich sitzen lassen.
Wie kann man sich gegen ungerechte Noten wehren?
Fachliche Leistungen sachlich beurteilen
Hat ein Schüler das Gefühl, ungerechte Noten von einem Lehrer zu bekommen, heißt es zunächst einmal, die eigenen Leistungen sachlich zu beurteilen. Beim Schüler wirkt nämlich ein ähnliches Prinzip wie beim Lehrer: Man selbst schätzt sich oft besser ein als man eigentlich ist. Hilfreich ist es, sich von anderen, die sich mit dem Schulstoff auskennen, eine zweite Meinung einzuholen – gerade wenn es um Leistungen geht, die Auslegungssache sind.
Soziales Verhalten analysieren
Auch das eigene Verhalten und der Eindruck, den man beim Lehrer erweckt, spielen eine wichtige Rolle. „Kann der Lehrer mich wirklich nicht leiden oder bin ich vielleicht selbst nicht ganz unschuldig an der Situation?“ lautet hier die zentrale Frage. Wer
- im Unterricht stört, nicht aufpasst oder schwatzt, Briefchen und SMS schreibt oder Musik hört,
- seine Schulsachen nur unvollständig oder gar nicht dabei hat,
- seine Hausaufgaben nicht macht und sich nicht auf Klassenarbeiten und Tests vorbereitet,
- seine Hefte schlampig führt und unordentlich mit den Schulbüchern und Lernmaterialien umgeht,
- den Unterricht schwänzt oder frech zum Lehrer ist,
- ständig müde ist und fortwährend gähnt,
- gelangweilt und desinteressiert wirkt,
muss sich nicht wundern, wenn der Lehrer das mit schlechten Noten quittiert. Was das eigene Verhalten angeht, sollte man sich in die Situation des Lehrers versetzen. Ein guter Leitgedanke ist, sich so zu benehmen, wie man es selbst als Lehrer von den Schülern erwarten würde, um einen reibungslosen Unterricht halten zu können.
Keine Angriffsfläche bieten
Wenn man das Gefühl hat, dass der Lehrer einen „auf dem Kieker hat“, ist es eine gute Strategie, sich unangreifbar zu machen. Dazu gehört auf jeden Fall, oben aufgeführtes Verhalten zu vermeiden. Stattdessen sollte man ausgeschlafen zum Unterricht erscheinen, interessiert der Stunde folgen und sich aktiv beteiligen, gewissenhaft die Hausaufgaben erledigen, Notizen im Unterricht machen und sich gut auf die nächste Stunde und Klassenarbeiten vorbereiten, interessierte Fragen stellen usw. Die mündliche Mitarbeit lässt sich kontrollieren, indem man eine Strichliste führt, wie oft man aufgezeigt hat und drangenommen wurde. Wichtig ist es, dem Lehrer die eigene Leistungsbereitschaft zu zeigen. Dazu kann man beispielsweise auch nach Zusatzaufgaben fragen. Natürlich muss man den Worten dann auch Taten folgen lassen.
Miteinander sprechen
Wer sich untadelig verhält, ähnliche Leistungen wie die anderen erbringt aber trotzdem schlechtere Noten bekommt, sollte den Lehrer darauf ansprechen. Gleiches gilt für Schüler, die ihr Verhalten ändern möchten. In solchen Gesprächen geht es nicht darum, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen, sondern nach Ursachen zu fragen und Lösungen zu finden.
Auch für die Eltern ist es ratsam, das Gespräch mit dem betreffenden Lehrer zu suchen – egal ob beim Elternsprechtag oder in der Lehrersprechstunde. Grundsätzlich sollte das Kind bei dem Gespräch dabei sein. So ist sichergestellt, dass der Lehrer weiß, über welchen Schüler gesprochen wird. Das mag trivial erscheinen. Tatsächlich passiert es immer wieder, dass Lehrer aufgrund der Vielzahl an Schülern, die sie unterrichten, manchen Namen in ihren Notenheften nicht die richtigen Gesichter zuordnen. Auch derartige Verwechslungen können eine Ursache ungerechter Noten sein. Ein Gespräch mit allen Beteiligten hat außerdem den Vorteil, dass keine Behauptungen unkommentiert in den Raum gestellt werden können. Lehrer und Schüler können ihre Sichtweise schildern und gegenseitig auf die Vorwürfe eingehen.
Führt ein Gespräch mit dem entsprechenden Lehrer nicht zu einer Änderung, kann man sich an den Vertrauenslehrer, den Klassenlehrer, an die Schulleitung oder das Schulamt wenden.
Gibt es eine gerechte Lösung?
Es wird nicht immer eine gerechte Lösung geben. Das kommt auf Lehrer und Schüler gleichermaßen an. Zusatzaufgaben zu machen und sich mehr anzustrengen als andere, um gute Noten zu bekommen, ist natürlich nicht gerecht. Manchmal geht es aber nicht anders, um den Lehrer zu beeindrucken. Hier muss jeder Schüler für sich entscheiden, was er in Kauf nehmen möchte: schlechte Noten oder zusätzlichen Einsatz. Einen Trost gibt es aber: Jeder Schüler macht in seinem Leben die Erfahrung ungerechter Benotungen. Und muss man sich bei dem einen Lehrer mehr anstrengen, hat man dafür Vorteile bei Lehrern, bei denen andere das Nachsehen haben.
Lesen Sie auch unseren Journal-Artikel zum Thema „Ungerechte Noten“ und schildern Sie uns Ihre eigenen Erfahrungen.